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Konzeption der Lampadener Kinderscheune

Präambel

Seit fast 20 Jahren unterstützt die Lampadener Kinderscheune als pädagogische Wohngruppe Kinder und ihre Familien, die professionelle Hilfe benötigen.
Mit beständigem emotionalen und professionellem Einsatz erarbeiten wir für jede zu betreuende Familie eine individuelle Hilfestellung.

Kinder erfahren auf der Basis eines familienorientierten Konzeptes den Schutz und die Geborgenheit einer Gemeinschaft, die sich stets um Akzeptanz, demokratische Strukturen und gegenseitigen Respekt bemüht.

Die Familien der Kinder werden in unterschiedlichster Form zur Zusammenarbeit eingeladen oder aufgesucht.

Ziel ist eine entwicklungsfördernde Positionierung aller Familienmitglieder, die im günstigsten Fall zu einer Rückführung des Kindes in die Familie führt oder aber beinhaltet, dass auf einen mittel- bis langfristigen Zeitraum hin trotz bestehender Hindernisse dennoch wichtige gemeinsame Erfahrungen ermöglicht werden.

Eine ressourcenorientierte, systemische Betrachtungsweise sowie Alltags- und Lebensweltorientierung bestimmen handlungsleitend unsere Arbeit.

(Stand: Januar 2015)

Gliederung

1. Kurzvorstellung der Einrichtung

1.1 Träger

Träger der Wohngruppe ist Rascheider Kinderwohngruppe GbR

  • Einrichtung der freien Jugendhilfe
  • Pädagogische Wohngruppe mit therapeutischem Zusatzangebot
  • Mitglied im Landesverband privater Träger der freien Kinder-, Jugend und Sozialhilfe Rheinland-Pfalz e.V.

1.2 Rechtliche Grundlagen

Die Unterbringung erfolgt nach § 27 KJHG, § 34, § 35a,
§ 41 als Anschlussmaßnahme

1.3 Platzangebot

Plätze:

  • 8 Plätze im stationären Bereich
  • 2 Plätze im betreuten Wohnen als Anschlussmaßnahme

1.4 Aufnahmealter

Mädchen und Jungen im Alter von 5-12 Jahren

In Ausnahmefällen auch ältere Jugendliche, wenn diese für ihre Entwicklung einen engeren, geschützten Rahmen benötigen

1.5 Ausschlusskriterien

Junge Menschen

  • mit hirnorganischen Störungen
  • mit psychotischen Entwicklungen
  • mit erheblichen körperlichen Beeinträchtigungen
  • mit festgestelltem Förderschulbedarf E

1.6 Personal

  • 5 Stellen im Erziehungsdienst
  • 1 Stelle Leitung (gruppenübergreifend) und therapeutische Zusatzangebote
  • 0,5 Stelle Hauswirtschaftlerin
  • Reinigungskraft auf 450-€-Basis
  • Aushilfe für Reparatur- und Gartenarbeiten

1.7 Grundsätze und Selbstverständnis

Die Wohngruppe bietet Kindern einen Entwicklungsraum mit familienähnlichen Strukturen.
Sie tritt ein für die im Grundgesetz verankerten Rechte für Kinder, Jugendliche und ihre Familien. Sie ist politisch und konfessionell ungebunden.
Altersentsprechende Einbindung in Alltagshandlungen und Entscheidungsprozesse nach demokratischen Prinzipien, sowie Partizipationsmöglichkeit aller am Prozess beteiligten Personen werden als wesentliche Bestandteile der pädagogischen Arbeit verstanden.
Ziel ist, den jungen Menschen in seiner Entwicklung zu einer zufriedenen, verantwortungsbewussten Persönlichkeit zu verhelfen, indem vorhandene Ängste und Blockaden abgebaut werden und Stärken und Ressourcen individuell gefördert werden.

Die bisherigen Bindungsbeziehungen der Kinder/ Jugendlichen haben entsprechend systemischer Sichtweise einen hohen Stellenwert. Soweit möglich werden sie gestärkt und unterstützt. Dies geschieht u.a. durch regelmäßige Eltern- bzw. Familienarbeit, durch regelmäßige Heimfahrten der Kinder oder auch durch Besuche der Familien in der Wohngruppe.

Durch das Angebot von verlässlichen, tragfähigen Beziehungen, von überschaubaren, stabilisierenden Strukturen und Ritualen entsteht ein Lebensfeld das zum einen Sicherheit und Geborgenheit bietet und zum anderen einen ressourcen- und wachstumsorientierter Entwicklungsrahmen bietet.

2. Unsere Ziele

2.1 Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche erleben durch die familienähnlichen Bedingungen der Gruppe und durch die Integration in die Dorfgemeinschaft soziale Beziehungen, die Geborgenheit und Zuverlässigkeit vermitteln. Sie machen die Erfahrung, dass sie ernstgenommen werden und als vollwertiges Mitglied Anerkennung finden.

Sie haben die Möglichkeit durch zuverlässige, beständige Strukturen und pädagogische und/oder therapeutische Unterstützung sich emotional zu stabilisieren und belastende biographische oder traumatische Erfahrungen zu verarbeiten.

Besonders wichtig ist, dass Kinder und Jugendliche in ihrem Lebensmut und ihrer Lebensfreude gestärkt werden, dass sie Kontakt zu ihren eigenen Stärken und Ressourcen finden und lernen diese sozial kompetent zu leben. Die Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen, gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit ist das übergeordnete Ziel der einzelnen Maßnahmen.

Kinder und Jugendliche lernen alters- und entwicklungsentsprechend sich für ihre persönlichen Belange und auch für ihren Alltag in der Gruppe aktiv einzusetzen, indem sie an handlungsleitenden Strukturen und Entscheidungsprozessen in hohem Maß beteiligt sind.
Durch die Beteiligung bei allen anfallenden alltäglichen praktischen Tätigkeiten, auch der Versorgung unserer Tiere, erlernen sie konstruktive Alltagsbewältigung und entwickeln Bewusstsein für Verantwortung und ihre persönlichen Stärken.
Sie setzen sich mit gesellschaftlichen Leistungserwartungen auseinander und entwickeln ihr persönliches Potential u.a. im schulischen Kontext oder im Rahmen der beruflichen Ausbildung.

Durch vielfältige Freizeitangebote in der ländlichen Umgebung haben die Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit sich körperlich zu betätigen und ein positives, gesundes Körpergefühl zu entwickeln. Auch die Entwicklung eines Bewusstseins für eine gesunde und ausgewogene Ernährung spielt hierbei eine wichtige Rolle.

Kinder und Jugendliche erlernen im Umgang mit ihren Familien neue Beziehungs- und Verhaltensmuster, die ihrer Persönlichkeitsentwicklung dienlich sind.

2.2 Eltern und Familien

Eltern werden in ihrer Erziehungskompetenz gestärkt durch Vermittlung von Informationen, durch das Reflektieren eigener Ressourcen und Haltung sowie durch das Einüben neuer Verhaltensmuster.

Eltern befassen sich im Rahmen regelmäßiger Elterngespräche mit der eigenen Biographie. Sie erfahren pädagogische als auch beratende Unterstützung zur Verbesserung der gegebenen Lebenssituation.

Eltern werden grundsätzlich, soweit pädagogisch vertretbar, an allen Entscheidungsprozessen bezüglich ihres Kindes beteiligt.

Eltern bleiben so weit wie möglich in ihrer Verantwortung, indem sie an für sie realisierbaren Erziehungsaufgaben beteiligt werden, z.B. bei Besuchen in der Gruppe an versorgenden Tätigkeiten für ihr Kind, Begleitung zu Elternabenden der Schule, zu Arztterminen, etc.

Die Familien erfahren Unterstützung bei der Gestaltung der Beurlaubungen ihres Kindes ins Elternhaus durch gezielte Vor- und Nachbereitung.
Bei Bedarf, z.B. bei psychiatrischen Erkrankungen von Eltern, werden Heimfahrten als Tagesbesuch begleitet durchgeführt.

2.3 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Institution, Einrichtung

Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Einrichtung als Institution entwickeln sich stetig an ihren Aufgaben fort. Supervision und Fortbildung sichern ein hohes professionelles Niveau. Eine gezielte Fortbildungsplanung wird jährlich im Team erstellt.

Eine beständige Überprüfung der eigenen inneren Haltung, das Einhalten einer entwicklungsfördernden Nähe – Distanz Regulierung in der Arbeit mit Kindern und Familien unterstützt eine Positionierung, die sowohl menschliche Nähe als auch professionellen Umgang beinhaltet.

Im Team wird auf faire Partizipation aller Mitarbeitenden unter Berücksichtigung der Weiterentwicklung persönlicher Ressourcen, aber auch menschlicher Grenzen geachtet.

Einem angemessenen Verhältnis von zu bewältigenden Aufgaben und vorhandenen institutionellen Ressourcen wird Rechnung getragen.

Eine Vernetzung mit Personen oder Institutionen, die für die Belange unserer Kinder und Familien wichtig sind, wird angestrebt und gepflegt.

2.4 Jugendämter und übergeordnete Behörden

Bei einer Neuaufnahme wird gründlich der Bedarf des Kindes und seiner Familie analysiert und mit den vorhandenen Ressourcen abgeglichen, um Fehlplatzierung zu vermeiden.

Eine anschauliche Dokumentation gewährt jederzeit Überblick über den Verlauf der Maßnahme und den vorhandenen Bedarf.

Aufgrund der überschaubaren Struktur der kleinen, privaten Trägerschaft können Empfehlungen und Entwicklungsimpulse kurzfristig konzeptionell integriert werden.

Die Wohngruppe steht in engem Kontakt zum Kinderschutzdienst Trier, mit dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein kontinuierlicher Kontakt gepflegt wird, so dass eine systemfremde, feste Anlaufstelle für die Kinder außerhalb der Gruppe gegeben ist.

3. Unsere Einrichtung

3.1 Räumlichkeiten

Das Anwesen ist Eigentum des Trägers.
Das ehemalige Bauernhaus mit angrenzender Scheune ist als Doppelhaus umgestaltet. Beide Haushälften sind durch Türen im Erdgeschoss und in der zweiten Etage verbunden.

Rechte Haushälfte

Die auf 2 Stockwerken angelegte 130m² große Wohnfläche teilt sich auf in:

Erdgeschoss
  • Büro
  • Aufenthaltsraum mit Esszimmer-, Wohnzimmerfunktion
  • Küche mit kleinem Essplatz
  • Bad mit WC
  • Flur mit Waschmaschine und Trockner, Ausgang zum Hinterhof
1. Etage
  • 4 Zimmer mit unterschiedlicher Größe
  • Dusche mit WC
2. Etage
  • Speicher (Ausbau zum Spielbereich vorgesehen)
Linke Haushälfte

Die linke Haushälfte bietet circa 170 m² Wohnraum auf 2 Etagen

Erdgeschoss
  • Eingangsbereich mit Garderobe und Durchgang zur rechten Haushälfte
  • Büro
  • Dusche mit WC
  • Hauswirtschaftsraum / Heizungsraum
  • Vorratsraum
  • Kellerraum
1. Etage
  • Flur
  • 4 Zimmer mit unterschiedlicher Größe
  • Bad mit WC
2. Etage
  • Kleine Galerie mit Toilette
  • Zugang zum Speicher
  • Esszimmer mit Teeküche
  • Wohnzimmer mit Ausgang zur Terrasse und Garten

Hinter der rechten Haushälfte befindet sich ein Innenhof, der über eine Treppe zum Garten führt. Der Garten bietet Wiesenfläche zum Spielen, einen Sandkasten, 2 Gartenhäuser zur Aufbewahrung von Fahrrädern und Sielsachen, einen Grillplatz, Stall und Auslauf für Kaninchen.

3.2 Örtlichkeiten

Die circa 600 Einwohner zählende Gemeinde Lampaden liegt 17 km von Trier entfernt im Hochwald. Die Einrichtung befindet sich in einem ehemaligen renovierten Bauernhaus im Dorfzentrum von Lampaden. Sie ist von außen nicht als Jugendhilfeeinrichtung zu erkennen. Ein Jugendraum und ein Geschäft befinden sich in direkter Nachbarschaft. Spielplätze und Bolzplatz sind nur 3-5 Minuten entfernt. Angebote der örtlichen Vereine werden genutzt. Die 1.-2. Klasse einer Grundschule befindet sich im Ort, das 3. und 4. Schuljahr in der Nachbargemeinde Hentern. Hauptschüler und Realschüler besuchen die Regionale Schule Plus in Zerf- Kell. Gymnasien können in Trier oder Saarburg besucht werden. Dort befinden sich auch die Berufsschulen.

Kinder mit Förderbedarf L oder S werden in Reinsfeld beschult.

Für alle Schultypen bestehen gute Busanbindungen. Dies gilt auch für Kinder, die den Kindergarten in Schillingen besuchen.

3.3 Spezifikation und Merkmale der Wohngruppe

Die Wohngruppe ist schwerpunktmäßig auf die Bedürfnisse jüngerer Kinder ausgerichtet.

Dennoch liegt auch ein Konzept vor für die Verselbständigung von Jugendlichen vor, falls weder Rückführung in die Familie noch Integration in eine Pflegefamilie realisiert werden können.

Auch wenn die Gruppe an sich koedukativ strukturiert ist, sind die Kinderzimmer und Bäder von Mädchen und Jungen voneinander separiert.

Jedes Kind verfügt über ein Einzelzimmer.

In der Gruppe sind bis auf Büro und Heizungs-, Vorratsraum, alle Bereiche offen gestaltet.
Die zentrale Lage des Hauses in der Dorfmitte unterstreicht den offenen, integrativen Charakter der Einrichtung und muss bei Einrichtungsauswahl bedacht werden.

Jedes Kind, jeder Jugendliche ist angehalten sich einer Vereinstätigkeit zuzuwenden.
Die Haltung von Haustieren (Katze, Hund, Kaninchen) unterstützt gezielt die pädagogische Arbeit.

Das ländliche Umfeld ermöglicht viele Bewegungs- und Freizeitangebote in der Natur, die gerade für die Arbeit mit motorisch hyperaktiven Kindern impliziert sind. Fahrrad fahren, joggen werden regelmäßig in den Tagesablauf eingeplant.

3.4 Anschlussmaßname Betreutes Wohnen

Zur Vervollständigung unseres Angebotes bieten wir 2 Plätze im Betreuten Wohnen an. Zu diesem Zweck werden im Bedarfsfall kleinere Wohnungen oder Zimmer in der Umgebung angemietet. Die Betreuung erfolgt als ambulante Betreuung in erster Linie in Form von Betreuungsgesprächen in der Wohnung. Die Betreuungsintensität reduziert sich im Laufe der Betreuung mit dem Ziel der vollständigen Autonomie.
Unser Angebot Betreutes Wohnen ist ausschließlich als letzte Phase unseres Verselbständigungskonzepts für die Jugendlichen bzw. Heranwachsenden gedacht, die bereits vorher in der Wohngruppe lebten.

4. Arbeitsansatz / Leistungsangebote

Beziehung und Partizipation

Die pädagogische Grundhaltung ist durch gegenseitige Wertschätzung, Achtung und Rücksichtnahme geprägt.
Jeder Einzelne wird in seiner Persönlichkeit akzeptiert und entsprechend seiner Entwicklungsmöglichkeiten ganz individuell gefördert und gestärkt. Die Entwicklungsplanung baut systematisch auf dem emotionalen Entwicklungsstand des jeweiligen Kindes auf. Jeweils 2 Erzieher bzw. Erzieherinnen sind hauptverantwortlich für 1 Kind zuständig. Eine Hauptbezugsperson wird vom Kind ausgewählt, die zweite Person wird vom Team bestimmt.

Das modellhafte Vorleben demokratischer Prinzipien unterstützt die Kinder in dem Erleben ihrer Beteiligungsmöglichkeiten und ihrer Selbstwirksamkeit. Sie erfahren im Alltag, dass Grenzüberschreitungen und Machtmissbrauch nicht geduldet werden und folglich nicht ausgehalten werden müssen.
Die Strukturen, die pädagogische Haltung und die Rahmenbedingungen der Einrichtung sind speziell auf die Bedürfnisse von Kindern mit traumatischen Erfahrungen abgestimmt.

Die Kinder erleben Erwachsene, die verantwortungsbewusst mit ihren Entscheidungsbefugnissen umgehen und durch ihre einerseits fürsorgliche, aber auch zielorientierte Haltung für entwicklungsfördernde, geschützte Strukturen sorgen.
Die pädagogische Atmosphäre wird als optimal erlebt, wenn die Kinder und Jugendlichen einerseits die Wohngruppe als schützendes Nest, andererseits aber auch als entwicklungsfördernde Herausforderung wahrnehmen dürfen.

Aktives Mitbestimmen und Mitgestalten seitens der Kinder und Jugendlichen sind uns in folgenden Bereichen wichtig:

  • Hilfeplanung und Zielentwicklung durch Beteiligung beim Erstellen der Entwicklungsberichte und Vorab-Infos zu Hilfeplangesprächen
  • Wahl eines Gruppensprechers/Gruppensprecherin und Stellvertretung, sowie Wahl eines Vertrauenserziehers/einer Vertrauenserzieherin
  • Erarbeiten der Hausregeln und Kinderrechte, Erstellen der Kinderdienstpläne
  • Beteiligung an der fortlaufenden konzeptionellen Arbeit
  • Auswahl von Themen, Projekten und Aktivitäten in den Bereichen Sport, Erlebnispädagogik sowie kreatives und handwerkliches Arbeiten
  • Partizipation bei der Einteilung des Freizeitbudgets
  • Wohnhaus- und Zimmergestaltung
  • Pflege des Gartens und der Tiere
  • Planung und Gestaltung von Festen
  • Urlaubsplanung
  • Netzwerkpflege, auch Kontakte zu anderen Jugendhilfeeinrichtungen, Beteiligung an Veranstaltungen und Projekten

4.2 Familienähnliche Struktur

Diese findet sich in der Gestaltung der Tagesstruktur, der Gestaltung der Räumlichkeiten, in der Beziehungsgestaltung zwischen Kindern, Jugendlichen und dem Personal.

Auch das gegebene Netzwerk im Ort, im Vereinsleben, die engen Kontakte zu Schulen und Kindergarten unterstreichen den familiären, persönlichen Charakter der Einrichtung. Die bzgl. Alter und Geschlecht heterogene Gruppe ermöglicht ein Modelllernen, wie es in intakten Familien praktiziert wird. Aufgaben, Rechte und Verpflichtungen orientieren sich am Reifegrad des Kindes. Jeder bringt sich in dem Maß in die Gruppe ein, wie es sein Entwicklungsniveau Entwicklungsstand zulässt.

4.3 Alltagsorientierung und Tagesstrukturierung

Der Wohngruppenalltag ist durch feste Strukturen und Rituale strukturiert. Seitens der Einrichtung wird auf ein ausgewogenes Verhältnis von Förderung (=Anspannung) und Entspannung geachtet.

Die Kinder entwickeln ihre Kompetenzen im Rahmen der Bewältigung ihrer alltäglich anfallenden Aufgaben und ihrer individuellen Möglichkeiten. Diese werden mit jedem Kind oder Jugendlichen individuell erarbeitet und im Leistungsanspruch entsprechend modifiziert.

Zuverlässigkeit und soziale Kompetenzen werden in der Gruppe durch transparente Regeln, eine feste Tagesstruktur und gemeinsame rituelle Einheiten wie z.B. Mahlzeiten, Abendrunde, Einschlaf- Rituale eingeübt und von den Mitarbeitenden modellhaft vorgegeben. Auch die emotionale Entwicklung, der jeweilige Stand des Einzelnen in seiner emotionalen Entwicklung wird im Rahmen des Gruppengeschehens deutlich und kann entsprechend aufgegriffen und gefördert werden.

Die Kinder und Jugendlichen erfahren intensive Förderung im schulischen Bereich durch die alltägliche Hausaufgabenbetreuung, aber auch individuelle Förderung. Spezielle Förderprogramme bei Lese-Rechtschreibeschwäche stehen zur Verfügung und werden in Kooperation mit der zuständigen Schule angewandt.

Kontakte der Kinder und Jugendlichen zu Freunden aus der Nachbarschaft und Schulkameraden werden gerne unterstützt. Auch der Erhalt von Freundschaften und Beziehungen, die vor der Maßnahme für die Kinder wichtig waren, wird gefördert.
Der Kontakt und die Mitverantwortung für unsere Tiere (Hund, Katze, Kaninchen) wird gezielt in die pädagogische Arbeit miteinbezogen. Kinder, die voraussichtlich länger in der Einrichtung leben werden, haben die Möglichkeit ein eigenes Kleintier zu betreuen.

4.4 Ressourcenorientierung

Jedes Kind wird anhand seiner vorhandenen Stärken und Neigungen, insofern sie sozial vertretbar sind, gefördert und unterstützt. In Einzel-, Gruppenarbeit, aber auch im Alltagshandeln wird diesbezüglich zielorientiert gearbeitet.

Jedes Kind, jeder Jugendliche ist aufgefordert sich nach erfolgreicher Stabilisierungsphase einer Vereinstätigkeit zuzuwenden, da gerade auch das Engagement außerhalb der Gruppe zu wichtigen Lern- und Erfolgserfahrungen führt. Eine begleitende Unterstützung der Vereine durch unser Fachpersonal ist hier bisweilen erforderlich.

Ressourcenorientiertes Arbeiten mit Familien bedeutet auch, dass diese entsprechend vorhandener Kompetenzen und positiver Energien soweit als möglich und sinnvoll an Erziehungsaufgaben beteiligt werden.

4.5 Elternarbeit

Die pädagogischen Fachkräfte der Wohngruppe

  • gestalten die Aufnahmesituation und die Hilfe/Erziehungsplanung unter aktiver Einbeziehung der Bezugspersonen aus dem Herkunftssystem.
  • unterstützen die Kinder und Jugendlichen bei Telefon-, und Briefkontakten.
  • begleiten Besuche der Familie in der Einrichtung.
  • bereiten selbständige Besuche der Kinder und Jugendlichen in der Familie vor und nach.
  • initiieren und realisieren gemeinsame Aktivitäten wie Feste oder Freizeitunternehmungen.

Zudem wird eine systemisch orientierte Eltern-, Familienarbeit angeboten, die beratenden, vermittelnden oder klärenden Charakter haben kann und folgende Ziele verfolgt:

  • Herstellung, Erneuerung und Vertiefung des Kontaktes zwischen der Herkunftsfamilie und dem Kind,
  • Förderung der vorhandenen Ressourcen,
  • Aktivierung und Stützung eines Prozesses der Selbstbesinnung,
  • gemeinsames Erarbeiten neuer Erziehungswege, Veränderung hinderlicher Sichtweisen, Aufbau von Erziehungskompetenz,
  • Klärung der Zukunftsperspektive,
  • Anbahnung und Vorbereitung von Rückführung des Kindes oder Integrationsbegleitung bei Pflegefamilien,
  • Entwicklung einer optimalen Zusammenarbeit zwischen den Bezugspersonen des Kindes und Schaffung einer förderlichen Kommunikation zwischen Familie, Kind und Einrichtung.

Die Kontakte finden entweder im Haushalt der Eltern, in Räumlichkeiten des zuständigen Jugendamtes oder in der Einrichtung statt.

Darüber hinausgehende Angebote, z.B. befristete Nachbetreuung, Elterntraining in Verbund mit begleitetem Kontakt in der Einrichtung sind im Einzelfall als zusätzliches Angebot möglich und werden mit dem zuständigen Jugendamt abgeklärt.

5. Methodik

5.1 Die pädagogische Arbeit

Unsere pädagogische Arbeit ist alltagsorientiert auf der Basis von Konzepten der lösungsorientierten-systemischen Theorien.
Verhaltenstherapeutische Interventionsmethoden werden häufig zur Verstärkung gewünschter Verhaltensmuster oder auch zur Überprüfung der Entwicklungsstände eingesetzt.
Ebenso finden Entspannungs- und Stabilisierungsmethoden aus dem Bereich der Traumatherapie Anwendung.

5.2 Therapeutisches Zusatzangebot

Die pädagogische Arbeit wird bei Bedarf durch intensive therapeutische Einzelarbeit hausintern, aber auch falls erforderlich bei niedergelassenen Therapeuten in Trier unterstützt.
Die ausgesprochen gute Kooperation zu einer Kinder- und Jugendpsychiatrischen Praxis ermöglicht zeitnahen Therapiebeginn und Behandlung.
Zudem pflegen wir regelmäßigen Kontakt zum Kinderschutzdienst, indem wir in kontinuierlichen Abständen Präventionsprogramme dieser Institution nutzen oder aber auch bei eigenen Projekten zum Thema Gewalt- und Missbrauchsprävention die Institution mit unseren Kindern besuchen und so den persönlichen Kontakt regelmäßig aufrechterhalten.
So steht den Kindern und Jugendlichen bei Bedarf eine systemfremde Anlaufstelle zur Verfügung.

6. Qualitätssicherung

Unser Qualitätsmanagement basiert auf den Leitlinien nach EFQM.

Zielerreichung und Entwicklungsverlauf werden kontinuierlich überprüft. Hierzu dienen zum einen die dokumentierten, kurzfristig zu erarbeitenden Entwicklungsziele, die monatlich mit den Kindern und Jugendlichen überarbeitet und ausgewertet werden. Zudem dokumentieren und strukturieren die halbjährlichen Entwicklungsberichte, sowie die Hilfepläne den Verlauf der Maßnahme.
Kinder und Jugendliche geben monatlich über einen Fragebogen Rückmeldung betreffend ihres Befindens, ihrer Wünsche und ihrer Kritik. Eltern erhalten vierteljährlich einen Rückmeldebogen.
Regelmäßige Teamsitzungen, Fortbildungen und externe Supervision ermöglichen den fachlichen Austausch und Rückmeldung durch systemfremde Personen.
Die betriebliche Ausstattung ist geeignet, die Maßnahmen zu tragen.
Eine 24-Stundenbetreuung durch geeignetes, qualifiziertes Fachpersonal ist ganzjährig gewährleistet.
Externe medizinische oder therapeutische Förderangebote sind im Umfeld gut erreichbar und als kurzfristig verfügbares Netzwerk installiert.
Integration in die Dorfgemeinschaft und gelebte Nachbarschaftshilfe sind wichtige Indikatoren die eine positive Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen hin zu einem gesellschaftsfähigen, eigenbestimmten Menschen veranschaulichen.

7. Perspektive

In der Arbeit mit Menschen, die unter frühkindlichen Traumatisierungen leiden geraten auch hoch qualifizierte Fachkräfte immer wieder an Grenzen in den Bereichen Entwicklungsmöglichkeit, Belastbarkeit und Systemreaktion.
Eine konzeptionelle Weiterentwicklung unter Berücksichtigung neurologischer, psychologischer und medizinischer Erkenntnisse wird kontinuierlich verfolgt.

Bei allen Förderabsichten muss aber gerade auch Lebensfreude und gegenwärtiges Wohlbefinden der uns anvertrauten Menschen ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit sein und bleiben.